Der Ruf der Glocken – an jeden von uns – M. Lauterbach, Vogtland
die Glockenweihe

Es ist oft faszinierend, wie viele Menschen eine Glockenweihe anlocken kann. Nach dem weiten Weg vom Gussort bis in den neuen Heimatort drängen sich dort Menschen an Menschen, die auch häufig durch die Massen gar nicht so viel sehen.
Die eine Person hebt vielleicht das Kind in die Höhe, damit wenigstens dieses eine halbwegs freie Sicht hat. Jetzt kann ich mir so ungefähr vorstellen, wie es damals bei Jesus gewesen sein muss, wenn die Menschenmassen ihm folgten. Nun werden die Glocken auf den Glockenstuhl gehoben oder gezogen, später erfolgt irgendwann das erste Geläut, und dann.. ja, was ist dann? Ich bin mir so ziemlich sicher, dass das Interesse der Menschen in den meisten Orten gleich wieder schwindet. Wenn man überlegt, dass zuvor, glaube ich, auch viele für die Glocken gespendet haben, die nichts mit der Kirche zu tun hatten. Aber warum schwindet das Interesse?
die Aufgaben der Glocken
Ich schätze, dass es an den Aufgaben dieser Glocken liegt. Betrachten wir uns diese doch mal:
– Glocken rufen die Leute zum Gottesdienst und verabschieden diese dann auch wieder
– Glocken rufen die Leute zum Gebet auf, häufig sogar dreimal täglich
– Glocken geben durch die Glockenschläge (in Kombination mit der Uhr) die Uhrzeit an
– Glocken erinnern uns an Taufen und an Beerdigungen und lassen uns wissen, wann eine stattfindet
– Vielleicht fällt Ihnen ja noch eine Aufgabe der Glocken ein.
Wenn man mal alle Aufgaben, außer der dritten Aufgabe, betrachtet, haben diese primär mit Gott und dem Glauben zu tun. Mal werden Menschen zu Gott geführt, an einem anderen Mal ist es einfach ein Ruf. Hat es also damit zu tun, dass es um Gott geht, dass das Interesse schwindet? Vorstellen kann ich es mir jedenfalls sehr gut. Vielleicht liegt es bei anderen auch daran, dass die Glocken, besonders bei Nachbarn, den Schlaf stören.
Bezug auf die Bibel
Auf eine dieser genannten Aufgaben will ich mal etwas genauer eingehen: Der Ruf zum Gebet. Hierzu ein kurzer Ausschnitt aus der Apostelgeschichte 03/01: „.. es war gegen drei Uhr, zur Stunde des Nachmittaggebets.“ Paulus und Johannes sind zu dieser Zeit in den Tempel hinauf gegangen. Da es zur Stunde des Gebets war, gehe ich stark davon aus, dass sie gekommen waren, um zu beten. Ich vermute sogar regelmäßig. Oder was sollten sie sonst im Tempel getan haben? Es gibt tatsächlich etwas: Kurz bevor Petrus und Johannes in den Tempel gegangen sind, haben die beiden an der Schönen Pforte, einem wichtigen Eingang des Tempels, einen Gelähmten geheilt. Da die beiden wohl regelmäßig gebetet haben, sie waren schließlich auch Jünger Jesu, ging vom Gebet her eine starke Kraft aus. Vielleicht haben Petrus und Johannes gerade für solche Wunder gebetet. In Markus 11/24 heißt es ja auch: „Alles was ihr betet und bittet, glaubt nur, dass ihr es empfangt, so wird es euch zu teil werden. „ Als Kinder Gottes dürfen wir somit zu Gott beten, in der Erwartung, dass Gott uns beschenkt. Dazu müssen wir nur glauben und Vertrauen haben, wie es dieser Vers sagt.
Bezug auf unser Handeln
Die Glocken rufen uns zu diesem regelmäßigen Gebet auf. Dreimal täglich, um 07.00 Uhr, um 12.00 Uhr, um 18.00 Uhr, so ist es zumindest in Markneukirchen, werden wir daran erinnert. Und ich gebe zu, dass ich dieses Geläut schon oft gehört habe, aber selten gebetet. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich will hiermit keinesfalls sagen, dass man die Gebetszeiten einhalten muss. Es ist keine Sünde, wenn man zu diesen Zeiten nicht betet. Schließlich dürfen wir, nicht nur als Christen, frei sein und jederzeit, wann es uns passt, mit Gott reden. Gott lädt uns jederzeit, auch durch die Glocken, dazu ein. Ich habe diese Gebetszeiten allerdings schon ab und zu als Hilfe erleben dürfen, wenn auch nur ab und zu. Wenn ich daheim die Glocken höre, habe ich oft Zeit, und ich kann mich doch nicht gut auf das Gebet konzentrieren. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es mir leichter fiel, zu den Gebetszeiten in der Kirche vor den Altar zu treten. Man ist dort wohl nicht so abgelenkt. Es wird aber auch an der Gegenwart Gottes liegen, die zwar überall wohnt, wo es Gott gefällt, aber in der Kirche nochmal besonders: „Ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt. (Psalm 26/08) Ich mache Mut, gerade in dieser Passions- und Leidenszeit die Kirche zu besuchen und dieses regelmäßige Gebet mal auszuprobieren.