„Wie können wir denn leben?“
– Gedanken zur Passionszeit von A.B.

„Unsre Sünden und Missetaten liegen auf uns, dass wir darunter vergehen. Wie können wir denn leben?“ (Gottfried August Homilius)
Gottfried August Homilius, ein Schüler Johann Sebastian Bachs komponierte dieses Werk – ein Stück aus seinem Passionsoratorium „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld) im 18. Jahrhundert.
Er war Organist und Kantor an der Kreuzkirche in Dresden und wirkte nach der Zerstörung der Kreuzkirche 1760, im siebenjährigen Krieg, an der Dresdener Frauenkirche. Nach 1760 schrieb er sein Passionsoratorium „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld“ aus dem das Stück „Unsere Sünden und Missetaten liegen auf uns“ stammt.
Bei der Zusammenstellung einer Passionsmusik begegneten mir in der letzten Woche die Noten dieses Chorstückes aus der Passionsmusik von Gottfried August Homilius. Ich spielte es am Klavier, hörte mir die Aufnahme an, die sich unter dem oben angegebenen Link findet. Ich sah andere Werke an, hörte mir Kompositionen verschiedener Komponisten an, stellte das Programm für die Passionsmusik zusammen, freute mich auf das Musizieren.
Aber – das Stück von Homilius ging mir nach. Ich hatte einen Ohrwurm. Konnte ich gar nicht gebrauchen. Ohrwürmer sind lästig und lenken vom Eigentlichen ab.
Ist das wirklich so? Der Ohrwurm war die im Lied immer wieder gestellt Frage „Wie können wir denn leben?“ Das Fragezeichen ist in der Komposition nicht zu überhören.
Ja wie können wir denn leben? Lohnt es nicht, darüber nachzudenken? Was sind unsere Sünden und Missetaten? Meine Bequemlichkeiten, kleinen Ausreden, Ausflüchte, Notlügen. Wie kann ich damit leben? Welche Auswirkungen haben diese auf das Zusammenleben mit anderen? Die Passionszeit bietet für mich die Gelegenheit innezuhalten, über Eingeschliffenes nachzudenken, Haltungen und Handlungen aus anderer Perspektive zu betrachten auch wenn es unbequem erscheint. Daran erinnert mich dieses kurze Musikstück von Homilius. Vielleicht gelingt es, diesen Ohrwurm noch etwas mitzunehmen, das Überdenken des eigenen Handelns zu bewahren. Aber auch ich darf in aller geforderten Eigenverantwortlichkeit und Reflektion gewiss sein, dass ich in meinem Leben, Denken und Handeln nicht allein bin, denn:
Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für und gestorben ist, als wir noch Sünder waren. (Röm. 5,8)