Wer seine Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes, Lukas 9, 62 –
K. Spillner

Der Wochenspruch am Sonntag Oculi lässt – wie sonst kaum ein anderer Wochenspruch – viele Bilder und Geschichten in mir aufsteigen.
Eine davon möchte ich heute erzählen.
Vor vielen Jahren habe ich regelmäßig eine alte Dame besucht. Sie gehörte zur Baptistengemeinde. Sie konnte nicht nur viele Geschichten erzählen, sie hatte auch etwas zu sagen. Eine besonders vielsagende Geschichte hat sie immer wieder erzählt.
Sie war nach dem Krieg als Vertriebene mit ihrer Familie in unsere Gegend gekommen. In ihrer Heimat hatten sie eine Landwirtschaft gehabt und so waren sie froh und dankbar, dass sie hier siedeln konnten. Wie alle Siedler hatten sie ein paar Morgen Land bekommen, aber sie hatten weder ein Pferd geschweige denn einen Traktor. So waren sie darauf angewiesen, dass Leute der MTS ihren Acker pflügten. Ihr Mann war oft sehr ungehalten, weil die Traktoristen beim Pflügen ziemlich gepfuscht hatten. Krumme Furchen, ungepflügte Streifen, viel zu große, runde Ecken … Nur ein Traktorist erfüllte diese Aufgabe zur Zufriedenheit. Josef. (Ich habe leider seinen Nachnamen vergessen.)
Meine liebe alte Bekannte fand in dieser Zeit ihre geistliche Heimat in der Baptistengemeinde in Neubukow. Sie liebte und lebte die lebendige Art des Glaubens. Gern wollte sie auch ihren Mann davon überzeugen. Doch der lehnte „die frommen Spinner“ ab.  Einmal lud die Gemeinde zur Evangelisation ein. Nach vielem Bitten ließ sich ihr Mann erweichen und ging mit.
Wie staunte er, als da Josef vorne stand und mit schlichten Worten erzählte, wie und warum er an Jesus Christus glaubte.
Als das Ehepaar wieder zu Hause war, meinte der Mann: „Wenn jemand, der so gerade Furchen zieht, sich vorn hinstellt und von seinem Glauben spricht und dazu einlädt, dann muss was an der Sache dran sein.“ Fortan begleitete er seine Frau zu den Gottesdiensten und ließ sich schließlich in die Gemeinde hineintaufen.
Mancher mag sich jetzt fragen, was diese Geschichte mit dem Sonntag Oculi zu tun hat. Ich weiß es nicht. Außer, dass ich oft an diesem Sonntag an Josef und seine geraden Furchen denken muss.