7 Wochen ohne
(G. Sieveking)

Wir sind jetzt mittendrin in der Fastenzeit. Mit Aschermittwoch lädt die Kirche in diese besondere Zeit bis Ostern mit der Idee „7 Wochen ohne“ ein. Jeder und jede ist eingeladen darüber nachzudenken, auf was man verzichten möchte für eine Zeit von „7 Wochen.“ Es sollte etwas sein, auf das ich eigentlich sehr gerne im
täglichen Alltagsleben zugreife.
Seit über 30 Jahren habe ich bei „7 Wochen ohne“ immer wieder auf etwas anderes verzichtet. Als Jugendlicher verzichtete ich mal mit „7 Wochen ohne Fleisch.“ Ein Jahr mit „7 Wochen ohne Fernsehen.“
Als junger Mann lebte ich „7 Wochen ohne Auto“. Spätere Jahre machte ich „7 Wochen ohne Süßigkeiten und Kaffee“. Es gab Passionszeiten ohne Alkohol, mit wirklichem Fasten, ohne Shoppen-gehen, … . Es war immer die Erfahrung: es geht. Auch wenn es ans Eingemachte ging. Es waren zum Teil schwierige, schwer durchzuhaltende Erfahrungen, aber eigentlich immer positive und interessante Lebenserfahrungen, die ich gemacht habe. Wenn ich jetzt beim Schreiben dorthin spüre, hat es mir immer gut getan, das ist mein Empfinden auch Jahre später. Es hat auch etwas mit „Abgrenzen gegenüber meiner Umwelt“ zu tun, denn es gibt sehr viele Fragen von außen, die die innere Einstellung oftmals in Frage stellen oder manchmal sogar so stark anzweifeln und ins Lächerliche formulieren, dass ich mich für meine „7 Wochen ohne“ – gerade als junger Mensch, so erinnere ich mich – rechtfertigen und sehr stark positionieren musste.
Jesus ging 40 Tage in die Wüste und fastete und betete. So berichtet uns die Bibel.
Die Fastenzeit ist im Kirchenjahr mit den 40 Tagen bis Ostern an die „Auszeit“ Jesu angelehnt. Es wird berichtet, dass Jesus sich in die Wüste zurückzog und sich ins Gespräch / Gebet zu seinem Vater im Himmel begab. Jesus wollte wieder zur Besinnung und zur Klarheit finden. Er kehrte in sich und zu seinem Vater.
Warum aber sind denn im Kirchenjahr dann „7 Wochen ohne“, also doch eigentlich 49 Tage entstanden, wenn doch in der Bibel steht, dass Jesus 40 Tage fastete, also eigentlich ca. 6 Wochen?
Dies ist von den Kirchenvätern (leider wirklich noch ohne Kirchenmütter), symbolisch durchdacht, so eingerichtet worden. Die 40 Tage sind ohne die Sonntage zu zählen. Der Sonntag wird als Osterlicht über den gesamten Kirchenjahreskreis immer als kleines Osterfest gedacht. Darum sind die 40 Tage plus die 6 Sonntage zusammen auf ca. „7 Wochen ohne“ entstanden. Wenn ich also von Aschermittwoch bis Karsonnabend die Tage durchzähle ohne die Sonntage, komme ich genau auf: 40 Tage. Zählen Sie mal nach, es stimmt.
Das spricht mir aus der Seele. Auch in der größten Leidenszeit meines Lebens werde ich alle sieben Tage an die Erlösung erinnert. Bei Gott gibt es Erlösung. Ich werde sogar in der Leidenszeit ermuntert, alle sieben Tage eine Pause einzulegen. Auch in der größten Not, auch in einer Pandemiezeit gibt es Lichtblicke und Ermunterungen. Trotz großer persönlicher Einschränkungen, die ich an vielen Stellen nicht akzeptieren kann und will, gibt es doch auch immer wieder Lichtblicke. Gott ist hier kein politischer Redner, der wie so viele Menschen den Mund weit auftut und sich dann selber nicht dran hält. Gott ist glaubhaft, weil er selber durch das Leiden gegangen ist und mit jedem Menschen gehen möchte. Gott geht gerne mit dem Menschen, weil er jeden einzelnen liebt und kennt. Gott begleitet uns unheimlich gerne durch Freud und Leid. Ein Leben lang und bis in Ewigkeit. Diese Liebe hört tatsächlich niemals auf. Diese Liebe ist stärker als das Leid, stärker als der Tod. Das ist Ostern. Jeden Sonntag im Jahr werde ich an diese immerwährende Liebe Gottes erinnert, auch in der Passionszeit.
Aus „7 Wochen ohne“ wird ein „7 Tage die Woche mit … mit meinem Gott“. Die Liebe ist Gott – Gott ist die Liebe.