Sonntagsbrief und -video

Sonntagsbrief 24. Mai – Exaudi

Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. (Jeremia 31,33)

Am Anfang der Andacht kann nach der Segensbitte die Fassung des Psalms 121 von Hans-Dieter Hüsch stehen:
Sei gut behütet
Keinen Tag soll es geben, da du sagen mußt
Niemand ist da, der mir hilft in meiner Not.

Keinen Tag soll es geben, da du sagen mußt,
Niemand ist da, der mich erfüllt mit seinem Trost.

Keinen Tag soll es geben, da du sagen mußt,
Niemand ist da, der mich hält in seiner die Hände.

Keinen Tag soll es geben, da du sagen mußt,
Niemand ist da, der mich leitet und begleitet
auf allen meinen Wegen.
Tag und Nacht.

Sei gut behütet und beschützt.

 

Der Bibelabschnitt für diesen Sonntag steht bei Jeremia im 31. Kapitel (31-34):
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR:
Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.
Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken. – Herr, segne Dein Wort an uns. Amen.

Wenn mir jemand zu Weihnachten erzählt hätte, dass es uns verboten werden würde, zu Ostern einen Gottesdienst zu halten – ich hätte gedacht, der spinnt ein bißchen.
Und wenn mir jemand 1988 erzählt hätte, was 1989 passieren würde, dann hätte ich gesagt, der spinnt total. Die Zukunft kann man nicht vorhersagen.

Obwohl ich das weiß, wage ich vier Vorhersagen. Vier Vorhersagen für Dein Leben.
Ich verknüpfe sie mit dem Bund, genauer gesagt, mit den vier Bundesschlüsse, die Gott mit uns Menschen schließt. Jeder Christ sollte sie kennen.

1. Die erste Vorhersage: Du wirst in Zukunft Sorgen und Probleme haben.
Es ist eine Allerweltsweisheit „Unter jedem Dach ein Ach“. Aber es ist so wahr. Im Buch Hiob (5,7) heisst es sogar ausdrücklich: „Der Mensch ist zum Unglück geboren.“ Da ist etwas dran. Das wollen wir nur nicht so gerne hören. Wir schieben es gerne beiseite und denken nicht daran. – Aber eigentlich wissen wir sehr wohl, dass es in jedem Leben Kummer gibt, und wir werden auch in Zukunft davon nicht verschont bleiben. Nicht persönlich und schon gar nicht als Gesellschaft in Deutschland.

Das bringe ich in Verbindung mit dem ersten Bundesschluss, dem Noah-Bund. Er ist eigentlich ein Schöpfungsbund, geschlossen mit allen Menschen, ja allen Geschöpfen. Sein Zeichen ist der Regenbogen. Als Noah damals nach der Sintflut aus der Arche ausstieg, da hat Gott versprochen, dass er die Schöpfung erhalten wird, auch wenn die Menschen noch so böse sind.
Diese Erde ist kaputt, das Leben der Menschen ist verdorben und nicht wie es sein soll. Und doch lässt Gott diese Erde bestehen, bis sie in die Ewigkeit hinein verwandelt wird. Beides erleben wir: eine kaputte Welt, aber auch die Gnade Gottes, der alles erhält und immer wieder neu macht.

2. Die zweite Vorhersage: In Zukunft wird es Veränderungen geben.
Die meisten Menschen wollen generell, dass es eher so bleibt, wie es ist. Gerade wenn wir älter werden, haben wir keine Lust auf große Neuerungen.
Aber wenn wir zurückblicken, hat jeder von uns hat unglaubliche Veränderungen erlebt. Hätte mir als jungem Mann jemand gesagt: Die Menschen werden mit ihrem Telefon Fotos machen, die Wettervorhersagen checken und ihre Zugfahrkarte kaufen, hätte ich gesagt: Klar, und einkaufen gehen und auf die Kinder aufpassen tut das Telefon auch.
Es wird neue Erfindungen geben, neue Verordnungen, die Kirche wird sich ändern. Wir können das bedauern, aber es ist so. Wir als Gemeinde merken es ja, wir schließen uns mit anderen Gemeinden zusammen.

Bei diesen Veränderungen brauchen wir Gottvertrauen, Mut und Zuversicht.
Das bringe ich in Verbindung mit dem zweiten Bund Gottes: dem Abraham-Bund. Gott schließt ihn nur mit Abraham und seinen Nachkommen. Es ist ein Bund des Glaubens. Gottes Weg ist, durch den Glauben die Menschen zu retten. Gott verspricht, Abraham zu einem großen Volk zu machen und durch ihn die ganze Welt zu segnen – er verlangt dafür sein Vertrauen. Dafür ist Abraham bis heute unser Vorbild.

3. Die dritte Vorhersage: Du wirst in Zukunft altern.
„Altern“, das heisst nicht nur, wir werden älter werden. Sondern wir werden merken, wie die Kraft zurückgeht, wie der Körper abbaut, vielleicht auch der Geist. Das ist ein großes Thema für uns alle. Älter werden ist eine Gnade, weil Gott uns so viel schenkt, Altern ist ein Fluch.

Das bringe ich in Verbindung mit dem dritten Bundesschluss, dem Bund am Sinai. Gott schließt ihn mit dem Volk Israel am Berg Sinai nach der Befreiung aus Ägypten. Es ist ein Bund, der das ganze Leben des Volkes umfasst; durch diesen Bund soll das Volk Israel zu einem heiligen Volk, zum Volk Gottes werden. – Zeichen und Inhalt des Sinaibundes ist das Gesetz, die Gebote. Es geht darum, es wirklich auch alles zu tun.
Aber wir tun es eben nicht, auch Israel tat es nicht. Deswegen stehen wir alle auch unter dem Fluch. „Der Lohn der Sünde – der „Sünde Sold“ – ist der Tod.“, heißt es.
Deswegen ist dieser Bund am Sinai auch so zwiespältig, und deswegen brauchen wir noch einen Bund, einen neuen und besseren Bund. Und genau davon spricht der Prophet Jeremia in dem Bibelabschnitt für heute: das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.

Gottes Gesetz ist die Liebe. Gott gibt sein Wort, seine Liebe, seinen Geist in uns. Das geschieht dadurch, dass er zuerst einmal die Mauer zwischen uns und ihm einreißt: Gott vergibt uns unsere Sünden. Der neue Bund, das neue Testament, kann man auch sagen, die neue Verfügung, die Gott gibt, die besteht im Blut von Jesus Christus. „Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut“, heisst es beim Abendmahl, oder: „der Neue Bund in meinem Blut“.
Wenn wir die Vergebung annehmen und an Jesus glauben, dann stehen wir im neuen Bund Gottes. Dann wohnt seine Liebe in uns und wir können sie weitergeben. Keiner muss uns mehr sagen, wer Gott ist, wir haben eine lebendige Beziehung zu ihm.
Der Fluch des Sinai-Bundes ist gebrochen, der Abraham-Bund hat sich erfüllt. Und irgendwann wird dann auch die ganze Schöpfung verändert.

4. All das bringe ich in Verbindung mit einer vierten Vorhersage für Dein Leben: in Zukunft wird Gott für Dich dasein.
Bei allem, was wir erleben, Veränderungen, Alter und Sterben, Kummer und Sorgen – Gott wird da sein und einmal wird er allein die Größe sein, die alles bestimmt. AMEN.

Lied:
Meine Zeit steht in deinen Händen

Gebet:
Was uns bewegt, Sorgen und Menschen, können wir vor Gott bringen.
Daraufhin beten wir das Vaterunser und sprechen das Segenswort:

Es segne und behüte uns Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Er schenke uns seinen Frieden. Amen.

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